ZKB TER: Warum Strukis nicht unbedingt günstiger sind wie ETFs

In der Finanz und Wirtschaft vom Samstag berichtete die Zeitung über ein „Novum“ am Schweizer Struki-Markt. Die FUW hatte die Kosten von ZKB-Tracker-Zertifikaten in der Zeichnungsphase genauer angeschaut. Ich dachte auch sofort, dass der Derivatus (ich lese diese Kolumne immer als Erstes) wieder etwas ganz cooles entdeckt hätte und wollte den Beitrag schon ins Twitter-Universum senden, denn zu meiner Freude wurde der Derivatus auch im Momentum-Blog von fuw.ch veröffentlicht. Dann habe ich mir die Sache aber 2mal angeschaut und möchte in diesem Beitrag die Sachlage kurz erklären.

FUW hat genau hingesehen

Um was geht es: Die FUW hatte sich die Mühe gemacht und die Termsheets der neuen ZKB Tracker (z.B. der Consumer Goods & Services) genau gelesen und war dabei bei den Gebühren auf den Ausdruck „TER“, also Total Expense Ratio, gestossen. Der FUW-Redaktor folgerte, dass dies ein Novum wäre bei den Strukis, da die Gesamtkosten bisher im Unterschied zu ETFs/Fonds nicht offengelegt wurden. Zudem erkannte der Redaktor, dass die Gebühren mit 0.18% deutlich unter SMI-ETFs liegen und titelte im ersten Blog-Beitrag: „Die Gebühren von Strukturierten Produkten werden erstmals beziffert“, (zu erkennen in der URL), der Beitrag wurde danach aber abgeändert und auch in der Zeitung unter dem Titel “ Strukturierte Produkte sind günstiger als ETF“ veröffentlicht.

Folgende Punkte gilt es dabei zu beachten:

a)Bei Tracker-Zertifikaten hat ein Emittent mehrere Möglichkeiten diese Produkte zu konstruieren. Bei nicht Endlos Trackern kann er die Dividenden schätzen und diese als Discount im Produkt einpreisen. Bei dynamischen Open-End Trackern ist dies aber kaum eine Variante, deshalb wird das Produkt zu 100% herausgegeben und die Dividenden werden entweder reinvestiert oder augeschüttet.

Es kommt auf die Konstruktion drauf an

Im konkreten Fall handelt es sich um Open-End-Themen-Tracker Zertifikate, welche zu 100% (ohne Upfront Fee) herausgegeben werden und die Dividenden werden zu 100% reinvestiert. Im Basket sind ausschliesslich Schweizer Aktien enthalten. D.h. die Gesamtgebühren (TER) sind hier identisch wie die jährlichen Gebühren und früher hiessen diese in den Trackern einfach Verwaltungsgebühren.
Die ZKB und auch kein anderer Emittent wird m.E. keine vollständige TER für einen Barrier Reverse Convertible oder auch für einen Tracker mit Dividend-Discount bereitstellen können, da sie schlicht nicht genau bezifferbar sind. Wie gesagt Dividenden werden geschätzt und auch sonst gibt es Faktoren wie Absicherungskosten, Vola-Spread etc, die schwer zu beziffern sind oder erst per Rückgabe des Produktes genau feststellbar sind. Falls dies trotzdem ein Emittent machen würde, täte dies sehr überraschen und müsste genauer analysiert werden.

Spread ist entscheidend

b) Es ist korrekt, dass die Gebühren mit 0.18% ausserordentlich und lobenswert tief sind. Zudem verzichtet die ZKB auf die Upfront-Fee. Daraus kann aber nicht geschlossen werden, dass die Produkte auch günstiger sind wie ETFs. Im Artikel wird mit dem SMI-ETF der Credit Suisse mit 0.39% TER verglichen.
Die analysierten Themen-Tracker der ZKB haben meist nur 5-6 Einzelaktien im Produkt und in einem SMI-ETF sind per se alle 20 SMI Aktien enthalten. Was nun entscheidend ist, ist der Bid-Ask Spread am Sekundärmarkt. Zwar konnten die ZKB-Produkte in Zeichnung ohne Aufschlag gekauft werden, aber irgendwann müssen diese ja wieder veräussert werden. Beim ETF fallen diese Gebühren 2mal an (beim Kauf und Verkauf).

Und darum hier meine Prognose: die ZKB wird wohl mit einem Spread von schätzungsweise 0.3 bis 0.5% die Produkte pricen. Zum Vergleich der CS SMI-ETF hat einen durchschnittlichen Spread von 0.03%. Damit sind die Tracker nicht unbedingt günstiger wie ETFs.
Zudem gelten ETF als Sondervermögen und sind damit bei einem Konkurs des Emittenten geschützt. Allerdings handelt es sich hier um die ZKB mit AAA Rating und Staatsgarantie, darum kann das Emittenten-Risiko hier vernachlässigt werden.

Zu guter Letzt würde es seit Neuem den SMI-ETF auch mit 0.2% TER, in der allerdings teuren I-Tranche, geben. Lesen Sie dazu auch: „Preiskampf im SMI-ETF

Die ZKB Produkte werden am Freitag erstmals gehandelt, dann wird sich zeigen wie tief die Bid/Ask Spreads sind und wo sie sich einpendeln.
Gespannt kann man auch sein, ob die ZKB oder ein andere Emittenten nicht trotzdem versuchen werden, die TERs oder zumindest die Upfront Gebühren bei Anlageprodukten (bspw. Barrier Reverse Convertibles) in den Termsheet anzugeben. Diese dürften dann aber meines Erachtens nicht als TER bezeichnet werden.
Wir bleiben dran.

Update: Manchmal geht es schnell: Die ZKB gibt nur 2h nach Veröffentlichung dieses Blog-Beitrag bekannt, dass Sie alle TERs offenlegen wird. Lesen Sie dazu hier mehr

Update 2 vom 22.Februar: Am ersten Handelstag werden die Tracker der ZKB mit einem Spread von 0.2% gehandelt. Respekt!

 

2 Kommentare

  1. […] Lesen Sie auch: ZKB TER: Warum Strukis nicht unbedingt günstiger wie ETFs sind […]

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