Interview zu Retrozessionen und neue Literatur

Anleger müssen geschützt und Retrozessionen verboten werden, fordert Professorin Monika Roth. Die Aufsicht kann aber nicht die Vernunft des einzelnen ersetzen. Die Rechtsexpertin im Interview mit der Luzernern Zeitung über die Herausforderungen in der Anlage- und Vermögensverwaltung.

Monika Roth, sie befassen sich in Ihrer neuen Publikation mit dem Thema «Anlageberatung und Vermögensverwaltung». Was gab den Anstoss?
Für Anleger wie auch für Bankmitarbeitende und andere Interessierte ist es schwierig, den Überblick über die juristischen Kernthemen und die geltenden Regeln zu behalten. Der Band gibt knapp und sehr aktuell den Stand der Dinge wieder und dies eben nicht nur für ein bereits kundiges Publikum. Missstände bei der Anlageberatung sind vor allem seit der Finanzkrise ein Thema.

Was lief falsch?
Von Seiten der Banken sind die Fragen der Anreize und der Interessenkonflikte neben der Transparenz von Bedeutung. Diesen Aspekten wurde zu wenig Rechnung getragen wie auch dem Gebot einer ausreichenden Diversifikation der Anlagen. Aber natürlich haben auch die Anleger Fehler gemacht: Man wollte teilhaben am Tanz um das goldene Kalb. Und so lange es nur aufwärts ging, wurden die Risiken wenig bedacht.

Welches sind die wichtigsten Lücken in der Regulierung?
Ich bin erstens der Ansicht, dass der Finanzplatz Schweiz dem Vorbild von London folgen sollte und im Rahmen der Anlageberatung und der Vermögensverwaltung die Annahme von Retrozessionen, namentlich Vertriebsentschädigungen, verbieten sollte. Wer verkauft, kann nicht unabhängiger Berater sein. Zweitens sehe ich Handlungsbedarf im Fall von Konflikten zwischen Bank und Kunde. Das Prozessieren ist für einen Kunden in der Regel nicht finanzierbar. Hier müsste man einen Weg suchen, welcher allenfalls die Tätigkeit des Bankenombudsman ergänzt, der ja nur Empfehlungen abgeben darf.

Zusatzfrage von finanzprodukt.ch:
Wie reagieren Sie auf die Entscheide der Banken nun einfach die VV-Mandats-Gebühren zu erhöhen?
Wenn das verbunden ist mit dem Verzicht auf Retrozessionen – dann ist das ein verständlicher und nachvollziehbarer Schritt.

Interesse geweckt?
Lesen Sie weiter – das gesamte Interview aus der Zentralschweiz am Sonntag finden Sie hier

Das besprochene Buch:

Das neuste Buch von Prof. Dr. Monika Roth behandelt die gesetzlichen und regulatorischen Grundlagen in der Anlageberatung und Vermögensverwaltung.

Der Band richtet sich an Kundenberater, Juristen, Anle­ger, Studierende und weitere interessierte Kreise, die sich einen schnellen Überblick zu den Themen und Ab­grenzungen Execution Only, Anlageberatung und Ver­mögensverwaltung aus rechtlicher Sicht verschaffen wollen. Die Gerichtspraxis zu Kernfragen von Vermö­gensverwaltung und Anlageberatung ist mit Auszügen aus den wichtigsten Urteilen aktuell wiedergegeben, sodass eine rasche Übersicht über die Praxis entsteht. Rechte und Pflichten der Akteure sind prägnant und aktuell dargestellt. Das neue Kindes- und Erwachse­nenschutzrecht ist, soweit es die Fragestellungen der Vermögensverwaltung und der zulässigen Anlagen be­rührt, ebenfalls behandelt.

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Der Artikel wurde mit Erlaubnis von Frau Roth vom HSLU Blog übernommen.
http://blog.hslu.ch/ifz/2013/02/26/verhangnisvoller-tanz-ums-goldene-kalb/

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