Kredit im EU-Ausland aufnehmen – Worauf ist zu achten?

In einigen Fällen ist eine Kreditaufnahme im EU-Ausland günstiger als im eigenen Heimatland. Allerdings sind mit einem Auslandskredit verschiedene Hürden verbunden.

So müssen beispielsweise Sprachbarrieren überwunden werden. Ausserdem gelten in anderen Ländern oft andere rechtliche Vorgaben. Dies betrifft beispielsweise Immobilienkredite und Fremdwährungskredite. Vorsicht ist bei Krediten ohne Bonitätsprüfung geboten und auch Kredite für Kapitalanlagen können vollständig verloren gehen.

Sprachbarrieren überwinden

Bei einem Kredit im EU-Ausland kommt es in vielen Fällen zu Sprachbarrieren. Die Kreditinstitute arbeiten in der jeweiligen Landessprache, die häufig nicht die Muttersprache der Kreditnehmer ist. Entsprechend fällt es schwerer, Kreditberatungen in Anspruch zu nehmen, sich über die Chancen und Risiken des jeweiligen Kredits zu informieren und die Vorteile eines Kreditvergleichs für sich zu nutzen.

In vielen Fällen ist es sinnvoll, mit einem Übersetzer oder Dolmetscher zu arbeiten. Ein Kreditvertrag sollte nur dann unterschrieben werden, wenn der Kreditnehmer genau verstanden hat, was darin steht. In einer fremden Sprache ist es zudem schwierig, versteckte Klauseln oder Hintertüren zu erkennen und bei Vertragsabschluss auszuschliessen. Deswegen sollte ein individueller Kredit im EU-Ausland nur dann genutzt werden, wenn alle Massnahmen ergriffen wurden, um Sprachbarrieren auszuräumen und für eine grösstmögliche Transparenz zu sorgen.

Das muss alles im Kreditvertrag stehen

Die Aufnahme eines Kredits ist nicht nur eine Finanzangelegenheit, sondern geht auch mit vielen rechtlichen Fragen einher. Hierbei ist zu beachten, dass sich das Kreditrecht in verschiedenen EU-Ländern teils stark unterscheidet. Bei Vertragsabschluss gilt in den meisten Fällen das Recht des Landes, in dem das Kreditinstitut sitzt. Da viele Kreditnehmer keine Experten in Rechtsfragen sind, kann es sinnvoll sein, bei einer Kreditanfrage mit einem international tätigen Rechtsanwalt zusammenzuarbeiten. Zudem ist es hilfreich, dass es bestimmte Verbraucherkreditrichtlinie gibt, die in allen EU-Ländern gelten und in jedem Kreditvertrag stehen müssen.

Unter anderem ist es für einen gültigen Kreditvertrag zwingend erforderlich, dass die Laufzeit des Kredits, der Kreditbetrag und der effektive Jahreszins konkret aufgeführt werden. Ebenso muss der Sollzinssatz klar benannt sein und Lockzinssätze sind verboten. Sämtliche Vertragskosten müssen angegeben werden und auf Wunsch des Kunden muss das Kreditinstitut einen Tilgungsplan aushändigen. Zudem gibt es standardisierte Formblätter, die den Kreditnehmer zwingend ausgehändigt werden müssen. Nicht zuletzt ist es erforderlich, dass im Vertrag festgestellt wird, ob es sich um einen Kreditgeber oder einen Kreditvermittler handelt, welche Provision anfällt und das ein 14-tägiges Widerrufsrecht für den Vertrag besteht.

Kredite ohne Bonitätsprüfung mit Vorsicht behandeln

Wenn ein Kredit angeboten wird, ohne dass eine Bonitätsprüfung durchgeführt werden muss, sollten Kreditnehmer besonders wachsam sein. Solche Angebote werden immer wieder von Betrügern genutzt, um sich zu bereichern und die Kreditnehmer zu schädigen. Häufig geben Privatpersonen aus dem EU-Ausland an, dass sie zur Vergabe eines Kredits ohne Bonitätsprüfung bereit seien.

Wenn sich ein Interessent findet, tauchen jedoch häufig Zusatzkosten und Gebühren für verschiedene Dienstleistungen auf. Nicht selten müssen auch die Aufgaben ausländischer Ministerien bezahlt werden. Langfristig fallen Kosten für Anwälte und Banken an. Es entstehen hohen Kosten und häufig genug wird die Kreditsumme noch nicht einmal ausbezahlt. Kreditnehmer aus anderen Ländern sollten bei solchen Angeboten sehr vorsichtig sein und im Zweifelsfall auf etablierte Anbieter setzen, selbst wenn deren Konditionen etwas schlechter sein sollten.

Besonderheiten bei Immobilienkrediten

Für Immobilienkredite gelten im EU-Ausland oftmals besondere Regelungen

pixabay.de © moerschy CCO Public Domain Für Immobilienkredite gelten im EU-Ausland oftmals besondere Regelungen.

Die Aufnahme eines Immobilienkredits sollte genau durchdacht werden. Häufig belaufen sich die Kreditsummen in einem solchen Fall auf fünfstellige oder sogar sechsstellige Beträge, wodurch sich die Rückzahlung teilweise über mehrere Jahrzehnte zieht. Kreditnehmer sollten sich sicher sein, dass sie ihren Zahlungsverpflichtungen über einen solch langen Zeitraum hinweg nachkommen können. Gerade bei der Zusammenarbeit mit Dienstleistern aus dem EU-Ausland entstehen sonst grosse und kostspielige Schwierigkeiten.

Der Gesetzgeber hat versucht, Regelungen zu schaffen, die eine grösstmögliche Transparenz für die Verbraucher ergeben. So wurden verschiedene Dokumente und Verfahren vereinheitlicht, die einen EU-weiten Vergleich verschiedener Kreditangebote erleichtern. Ausserdem haben Verbraucher jetzt eine Bedenkzeit von mindestens sieben Tagen und die Kreditwürdigkeit muss zwingend geprüft werden. Ferner wurden Regeln für eine erleichterte vorzeitige Kreditrückzahlung entwickelt und die Anbieter von Baukrediten werden regelmässig kontrolliert und müssen strenge Auflagen einhalten. Gerade bei hohen Kreditsummen, wie sie bei Immobilienkrediten gängig sind, ist ein solcher Verbraucherschutz von grosser Bedeutung.

Fremdwährungskredite sind mit Risiken verbunden

Fremdwährungskredite bergen viele Chancen, aber auch Risiken. Immer wieder haben sich zum Beispiel deutsche Kreditnehmer dafür entschieden, Kredite in Schweizer Franken aufzunehmen. Sie hatten die Hoffnung, hierdurch besonders günstig an Kredite zu kommen. Ausserdem haben sie auf steigende Eurokurse gesetzt. Durch diese wären die Fremdwährungskredite besonders günstig gewesen. Als jedoch der Eurokurs sank, kosteten die Kredite auf einmal deutlich mehr als geplant.

Wer einen Fremdwährungskredit aufnimmt, sollte sich daher über verschiedene Faktoren im Klaren sein: So wird das Währungsrisiko vollständig von den Kreditnehmern getragen. Wenn die Kreditwährung an Wert gewinnt, wird der Kredit automatisch teurer. Ausserdem müssen die Kreditnehmer das Zinsrisiko tragen. Innerhalb der Kreditwährung kann es dazu kommen, dass sich die Zinsen anders entwickeln als im Euroraum und die Kreditkosten steigen. Insgesamt haben viele Fremdwährungen wie der Schweizer Franken in den letzten Jahren an Wert zugelegt. Fremdwährungskredite sind somit längst nicht mehr so lukrativ wie noch vor einigen Jahren oder sogar Jahrzehnten.

Kredite für Kapitalanlagen können verlorengehen

Aufgrund der aktuellen Niedrigzinspolitik der EZB ist es mit klassischen Geldanlagen kaum noch möglich, Gewinne zu erwirtschaften. Deswegen sind viele Menschen auf der Suche nach neuen Möglichkeiten, um ihr Geld anzulegen. Viele Finanzdienstleister bieten teils äusserst attraktive Angebote und auch am Aktienmarkt besteht die Möglichkeit, gutes Geld zu verdienen. Deswegen entscheiden sich viele Menschen dafür, einen Kredit aufzunehmen, um solche Angebote wahrnehmen zu können.

Wer so etwas plant, sollte sich unbedingt bewusst machen, dass riskante Geldanlagen komplett verloren gehen können. Ausserdem besteht die Gefahr, an unseriöse Anbieter zu geraten. Deswegen sollte man bei extrem attraktiven Angeboten misstrauisch werden und immer prüfen, ob der jeweilige Anbieter über eine Zulassung verfügt. Doch selbst bei höchster Seriosität bleibt immer ein Restrisiko, weswegen das Spekulieren mit Krediten mit äusserster Vorsicht zu geniessen ist. Das gilt für Anlagen im Heimatland ebenso wie für Kredite und Anlagen im EU-Ausland.

 

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Wer einen Kredit im EU-Ausland aufnimmt, muss verschiedene Kriterien beachten.

 

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