Werden Robo Advisor die Berater ersetzen?

„Robo-Advisors sorgen für Unruhe, und die Vermögensmanagementbranche muss sich dieser neuen Umgebung anpassen“, sagt Morgan Stanley, einer der grössten Vermögensmanager an der Wall Street.

Laut Michael Cyprys, einem Aktienanalytiker des Unternehmens, heisst es: „Die zunehmende Bedrohung durch Robo-Advisors führt dazu, dass sich die Finanzberaterrolle weiterentwickelt: ein grösserer Fokus auf die Finanzplanung unter Einbindung von digitalen Tools wie Robos, um effizienter zu werden – und so Mensch und Maschine miteinander zu vereinen.“

„Digitale Fähigkeiten werden zunehmend wichtiger, da die Millennials digital versierter sind als die Generationen zuvor. Dies verändert die Investitions- und Vermögensmanagementlandschaft; innovative neue Wettbewerber wie Robos könnten ihren Beitrag leisten“, schrieb Cyprys Anfang des Jahres in einer Mitteilung.

Eine durch Morgan Stanley durchgeführte Umfrage ergab, dass 58% der Millennials und 50% der Generation X sich für die Nutzung von Robo-Advisors interessieren.

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From morganstanley.com

 

Robo-Advisors oder automatisierte, digitale Vermögensmanagementlösungen zogen laut der Aite Group LLC ein Vermögen von rund 50 Milliarden USD an. Diese Lösungen sind kostengünstiger, stehen auch kleineren Investoren offen, können mit mobilen Geräten genutzt werden und sind dank schlichter, einfach zu verwendender Apps und Internetseiten komfortabler.

Obwohl die Summe verglichen mit den 130 Billionen USD, die derzeit weltweit verwaltet werden, relativ gering ist, weisen Robo-Advisors „eine lange Anlaufbahn für Wachstum“ auf, so Cyprys.

Um dem steigenden Trend nachzukommen, haben viele Firmen und Banken Hybridmodelle ins Leben gerufen. Hierzu zählen Charles Schwab und Vanguard – beide haben Dienstleistungen entwickelt, die es ihren Beratern ermöglichen, Algorithmen und Robo-Advisors verstärkt einzusetzen.

RBC schloss sich zusammen mit BlackRock’s FutureAdvisor, Wells Fargo plant, seinen eigenen Robo-Advisor 2017 vorzustellen und die Vermögensmanagementdivision von UBS in Amerika investierte dieses Jahr bereits in den Robo-Advisor SigFig.

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Die Royal Bank of Scotland gab im März bekannt, dass sie 220 Mitarbeiter aus dem Bereich Investment durch Robo-Advisors ersetzen würde. Die Bank teilte mit, dass zukünftig ausschliesslich jene Kunden eine persönliche Beratung erhalten werden, die mindestens 250.000 £ oder mehr zu investieren bereit sind.

Trotz der wachsenden Akzeptanz gegenüber Robo-Advisors sind Beobachter und Experten der Branche der Ansicht, dass diese Lösungen nicht notwendigerweise die traditionellen Vermögensmanager ersetzen werden.

„Dies ist kein Wettbewerb zwischen Mensch und Roboter, bei dem einer der beiden gewinnt“, erklärte Jon Stein, CEO von Betterment, einem amerikanischen automatisierten Investitionsdienstleister, gegenüber Bloomberg.

„Es wird Kunden geben, die sich eine Online-Lösung wünschen und es wird andere Kunden geben, die eine persönliche Beziehung bevorzugen. Aber selbst diese Kunden erwarten im Rahmen dieser Beziehung eine bessere Technologie.“

Als Reaktion auf Steins Aussage schrieben Citi-Analysten in einem in diesem Jahr veröffentlichten Bericht:

„Wir betrachten die Einführung von Robo-Advice als ein Beispiel für Automatisierung, das die Produktivität traditioneller Anlageberater verbessert, und nicht als eine Situation, in der ein erhebliches Risiko von Stellenstreichungen besteht. Ein höherer Nettowert oder anspruchsvolle Investoren erfordern unserer Ansicht nach immer eine persönliche Beratung.“

Holger Spielberg, Leiter des Bereichs Digital Innovation bei Credit Suisse, ist derselben Ansicht. In einem Interview argumentierte Spielberg in diesem Jahr, dass automatisierte Investitionsdienstleistungen viele Vorteile und Möglichkeiten sowohl für Kunden als auch für das Bankwesen bieten.

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Holger Spielberg, Leiter des Bereichs Digital Innovation bei Credit Suisse

„Letztlich müssen wir uns ansehen, was es für den Nutzer bedeutet – den Empfänger finanzieller Dienstleistungen – und nicht für das Bankwesen“, sagte er. „Die Nutzer müssen an vorderster Front stehen.”

„Eine technische Disruption ist unvermeidbar“, erläuterte Spielberg. Dennoch ist er auch der Ansicht, dass einige Aspekte der traditionellen Vermögensmanagementdienstleistungen auch in Zukunft von Bedeutung sein werden, vor allem der menschliche Einsatz.

„Der menschliche Aspekt ist für unsere Strategie von grosser Wichtigkeit“, sagte er. „Was sich trotz aller Veränderungen nicht ändert, ist der Vorsatz, einen Gegenwert zu erhalten.“

Robo-Advisors können sehr wohl dem privaten Vermögensmanagement Mehrwert und Effizienz verleihen, statt nur eine gesichts- und teilnahmslose Automatisierung darzustellen.

Im Juli veröffentlichten die ehemaligen Banker der Credit Suisse Bastian Lossen, Giles Keating und Felix Roescheisen laut Finews Pläne zur Einführung einer neuen Robo-Advisor-Dienstleistung mit Namen Werthstein.

Werthstein hat einen neuen Ansatz im digitalen Vermögensmanagement entwickelt. Die Lösung kombiniert Multimediaplattform und Portfoliomanagement, die Plattform bietet kostenlose Vermögensmanagementdienstleistungen.

Kunden zahlen nur eine Abonnementgebühr für Video- und Multimediacontent, der über die Plattform zur Verfügung gestellt wird. Dieser Content besteht hauptsächlich aus Videos von Bankern und Experten, die Investitionsideen teilen.

Zu weiteren Robo-Advisor-Dienstleistern in der Schweiz gehören True Wealth, Glarner KB, Swissquote und InvestGlass.

Featured Image: Featured image: Robot working with touchscreen by Tatiana Shepeleva, via Shutterstock.

Dieser Artikel erschien in ähnlicher Form in  der Handelszeitung Print-Ausgabe

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