Peer-to-Peer-Lending – schneller als die Banken?

Peer-to-Peer-Onlineplattformen etablieren sich mittlerweile als Alternative zu klassischen Kreditinstituten – auch in der Schweiz. Billiger sind sie meist nicht, aber oft schneller und unbürokratischer.

Wer heute einen Kredit sucht – egal ob als Privatmann oder Unternehmer – der geht meist im Internet auf die Suche. Dass gezielte Vergleiche von Onlinekrediten viel Geld sparen, und dringend nötige Gelder hier schneller und einfacher zu bekommen sind, hat sich längst herumgesprochen.

peer to peer lending

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Doch auch immer mehr Privatleute und KMU werden mittlerweile selbst zum Kreditgeber und Investor. Schliesslich ist mit den mickrigen Zinsen auf Firmen- und Sparkonten seit Jahren kein Gewinn mehr zu erzielen – im Gegenteil.

Clevere FinTech-Unternehmen haben diesen Trend schon vor Jahren erkannt und gehen seither gezielt auf die Jagd nach klassischen Bankkunden.

Quasi als professionelle Vermittler zwischen Geldgebern und Kreditsuchenden. Peer-to-Peer Lending oder Crowd-Lending nennt sich das – doch was ist das eigentlich und wie funktioniert es genau?

 

Ohne traditionelle Bankkanäle Zeit und Kosten sparen

Peer-to-Peer (P2P) Lending ermöglicht es Anlegern, eine gute Rendite auf ihr Geld zu verdienen, indem sie Erspartes zu gewünschten Konditionen an kreditwürdige Kreditnehmer leihen. Umgekehrt können sich Kreditsuchende ohne grossen Zeitaufwand gezielt ein Wunschdarlehen suchen – einen gewissen Betrag, für eine gewisse Laufzeit, zum gewünschten Zinssatz.

P2P-Kreditplattformen bringen solche Menschen im Internet zusammen. Sie vermitteln zwischen Kreditnehmern und Darlehensgebern und stellen ihre Plattform quasi als Kommunikationskanal zur Verfügung.

Der Darlehensgeber sucht sich die Darlehensangebote frei aus und investiert. Eine genaue Risikoprüfung der Kreditnehmer und eine ausreichende Diversifikation an Kreditprojekten gibt dabei zusätzliche Sicherheit. Meist können Kreditbeträge, Laufzeiten und auch Zinsen hierbei frei ausgehandelt werden.

Zwei Beispiele zum Peer-to-Peer- und Crowd-Lending aus der Praxis:

Sie haben 5.000 CHF zu investieren. Jemand anderes braucht für die Finanzierung beispielsweise seiner Ausbildung 15.000 CHF. Sie beide melden sich auf der Plattform an und stellen Ihr Projekt online. Die Landing-Plattform bringt sie zusammen, Sie können nun Ihre 5.000 CHF, zusammen mit weiteren Darlehensgebern, investieren.

Der Betreiber kümmert sich um die Bewertung der Kreditwürdigkeit, das Rating, die Verträge und alle Geldüberweisungen. Für beide Seiten ein gutes Geschäft – der Kreditnehmer erhält einen besseren Zinssatz als beim traditionellen Bankdarlehen, der Kreditgeber erzielt eine höhere Rendite als auf seinem Sparkonto.

Umgekehrt funktioniert das Prinzip ähnlich: Als Mittelständler stellen auf der Online-Plattform Ihre Pläne und Ihren Finanzbedarf vor in der Hoffnung, genug Investoren zu überzeugen, Ihnen Geld zu leihen.

Einer oder mehrere Anleger sind überzeugt und investieren ihr Geld in Ihr Firmenprojekt. Gemeinsam bilden diese als Gruppe – die Crowd – dann sozusagen die Bank. Und Sie können sofort investieren – ganz ohne klassischen Bankkredit, mit ein paar wenigen Klicks.

Die Peer-to-Peer / Crow-Lending-Plattform selbst geniesst bei alle dem grössere Freiheiten, weil sie nicht selbst als Bank auftreten, sondern Kredite zwischen Investoren und Kreditsuchenden lediglich vermittelt.

 

Peer-to-Peer Lending – oft schneller, aber nicht um sonst

Während Banken Kreditanträge bisweilen tage- oder gar wochenlang prüfen, versprechen die Online-Plattformen schnelle Entscheidungen dank teilautomatisierter Prozesse. So bekommen Antragsteller oft binnen Stunden eine verbindliche Rückmeldung. Nach erfolgreicher Prüfung werden Kredite innert Minuten freigeschaltet.

Egal aber, ob Peer-to-Peer Lending oder Crowd-Lending: Um sonst ist beides nicht. Neben den fälligen Zinsen erheben die Online-Plattformen für Ihre Dienste Gebühren – sowohl vom Kreditnehmer, als auch vom Kreditgeber.

Diese richten sich meist nach Darlehenssumme und Laufzeit – und können mitunter höchst unterschiedlich ausfallen. Hierauf sollten Sie als Konsument genau achten, bevor Sie Geld leihen oder investieren.

Immerhin: Meist werden von den Plattformen keine Aufschaltgebühren erhoben, und auch die vorzeitige Rückzahlung des Kredits ist in der Regel ebenfalls kostenlos möglich.

 

Sicherheit ist wichtig – nicht nur beim Bankkredit

Seriöse Peer-to-Peer-Plattformen achten stets auf die Sicherheit – sowohl beim Kreditnehmer, als auch für den Geldgeber. Das beginnt schon bei der peniblen Prüfung der Bonität oder Geschäftsidee und endet bei der Überwachung der regelmässigen Zahlungseingänge samt Mahnverfahren.

Doch, auch wenn Kredite auf modernen Vermittlerplattformen meist schneller – und nicht selten sogar günstiger – über den Tisch gehen als bei so mancher klassischen Bank: Jeder Kreditantrag ist auch hier mit einer Meldung bei der Zentralstelle für Kreditinformation (ZEK) und einer Bonitätsprüfung verbunden. Und das ist gut so, für beide Seiten.

Das generelle Kredit- und Ausfallrisiko des Investors einen verspäteten Cash flows hier und da können auch gewissenhafte Peer-to-Peer-Plattformen nicht gänzlich ausschliessen – darauf wird meist ausdrücklich hingewiesen.

Und eine Todesfallversicherung oder eine Restschuldversicherung bei Arbeitslosigkeit/Arbeitsunfähigkeit – ob obligatorisch oder freiwillig – kostet in der Regel zusätzlich, in Prozent der Darlehenssumme und meist gestaffelt nach Laufzeit.

 

Cashare und Co. – Crowd-Lending in der Schweiz

Mit zu den Pionieren am Schweizerischen Crowdlending-Markt zählt die Cashare AG. Das FinTech-Unternehmen aus Hünenberg im Kanton Zug vermittelt bereits seit 2008 auf ihrer Online-Plattform Peer-to-Peer Kredite zwischen Investoren und Kreditnehmern – vornehmlich im Bereich Privat- und KMU-Darlehen, und das in Millionenhöhe.

Kreditvermittlung und Bonitätsprüfung sind dabei kostenlos, für die Nutzung der Plattform werden Gebühren fällig. Neuerdings ermöglicht Cashare auch die Vermittlung von Immobilienkrediten bis zu 10 Millionen CHF.

Weitere aufstrebende Peer-to-Peer-Plattformen sind beispielsweise CreditGate 24 aus Rüschlikon und Lend , eine Marke der Switzerlend AG aus Zürich. Beide Online-Plattformen wurden 2015 lanciert. Auch hier stehen Privat- und Geschäftskredite im Fokus, die von privaten und institutionellen Anlegern finanziert werden.

Kreditprüfung, Transkationen und Beratung für Kreditnehmer und Anleger übernehmen sowohl CreditGate 24 als auch Lend selbst – gegen Gebühr.

 

Peer-to-Peer-Markt noch am Anfang

Trotz ansehnlicher Erfolge von Peer-to-Peer- und Crowd-Lending in den vergangenen Jahren, bleiben die Kreditvolumina der Online-Plattformen im Vergleich zum Gesamtkreditmarkt in der Schweiz bisher noch überschaubar.

Ein Teil der Crowd-Kredite kam in der Vergangenheit sogar dank der Banken selbst zustande, die sich selbst wegen ökonomischer Unsicherheiten und strengerer regulatorischer Vorgaben bei der Kreditvergabe immer öfter zurückhalten.

Insgesamt eine moderate und gesunde Entwicklung am neu aufstrebenden Kreditmarkt, die Anlegern wie Kreditnehmern gleichermassen zu Gute kommt. Schliesslich bergen schnelle und übereilte Finanzierungen mitunter auch Risiken.

 

Autor:  Dieser Artikel wurde vom Portal capitalo.ch bereitgestellt, welche,  Informationen zu Krediten allgemein, Peer-to-Peer-Krediten und Leasing bietet.

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