Finanztrend Robo-Advisor: Wo die Gebühren am geringsten sind

Nachdem Robo-Advisor in den USA schon fast seit einem Jahrzehnt zum etablierten Bild in der Vermögensverwaltung gehören, kommen hiesige Robo-Advisor gerader erst beim Anleger an.

Die smarten Finanz-Algorithmen helfen Kleinanlegern, ihr Portfolio automatisiert zu verwalten und sollen so die Management-Kosten nachhaltig senken. Welche Robo-Advisor zu empfehlen sind und wie die Kostenstruktur aussieht, haben wir mit Unterstützung des deutschen Expertenportals robo-advisor.de analysiert.

Die Funktionsweise eines Robo-Advisors

 

„Robo-Advisor wollen günstiger sein als klassische, aktiv gemanagte Fonds. Das schaffen sie, weil ausschliesslich Algorithmen für das Geld arbeiten und in passiv gemanagte ETFs investieren, die fast ohne menschliches Zutun auskommen und deswegen besonders günstig sind“, erläutert Per Ricken von robo-advisor.de den Vorteil.

Um den automatisierten Fondsmanager nutzen zu können, muss der Algorithmus zunächst mit Informationen gefüttert werden – das ist bei jedem Anbieter im Grunde gleich. So will ein Robo-Advisor wissen, welche Risikoneigung der Anleger hat und wie lange der gewünschte Betrag angelegt werden soll.

Hat der Anleger diese Informationen übermittelt, fängt der Finanzalgorithmus einzukaufen und stellt das Portfolio bestehend aus ETFs zusammen. Dabei gilt: Je grösser das gewählte Risiko, desto höher ist der Anteil an Aktien. Hat der Anleger hingegen eine geringe Risikoneigung gewählt und dabei noch eine lange Anlagedauer, erhält das Portfolio einen hohen Anteil an Anleihen.

Nachdem das Portfolio zusammengestellt wurde, fängt der Robo-Advisor an zu arbeiten. Dabei wird grundsätzlich zwischen einem aktiven und passiven Robo-Advisor unterschieden.

  • Der Unterschied wird im Management des Portfolios und in der Überwachung der Märkte deutlich:Ein passiver Robo-Advisor schichtet nur einmal im Jahr zu einem vordefinierten Stichtag das Portfolio um.
  • Der aktive Robo-Advisor hingegen sondiert regelmässig die Märkte und schichtet das Portfolio so um, dass Verluste nicht zu gross werden. Dabei bezieht sich der Algorithmus auf die vorher bestimmte Risikoneigung und schreitet entsprechend ein, um Positionen zu veräussern, die drohen abzurutschen. “Für mich macht ein Robo-Advisor nur dann Sinn, wenn er aktiv umschichtet: das kann ein kleiner Privatanleger nämlich nicht leisten”, erklärt Niklas Vogt. So sind passive Robo-Advisor eher als ETF-Sparpläne anzusehen, deren Gebühren besser in aktive Robo-Advisor angelegt werden sollten.

Automation senkt die Kosten

 Da ein Robo-Advisor ohne den klassischen Fondsmanager auskommt, entfallen demnach die Ausgabeaufschläge und Managementgebühren der Fonds. Diese liegen meist zwischen 1,5% bis 5% und haben so die Rendite erheblich geschmälert. Die Gebühren eines Robo-Advisors setzen sich dabei wie folgt zusammen:

  1. Die Nutzung des Robo-Advisors (Service-Gebühr)
  2. Kosten für den ETF (Ordergebühren)

Kosten für ETFs liegen im Durchschnitt bei 0,25% und sind vom Anbieter eines Robo-Advisors unabhängig.

Die Unterschiede – und damit die Höhe der Rendite – sind daher in den Service-Gebühren für die Verwendung eines Robo-Advisors zu finden.

Bei deutschen Anbietern liegt die Service-Gebühr bei durchschnittlich 0,61%. Damit liegen die durchschnittlichen Gesamtkosten für die Gesamtnutzung eines Robo-Advisors in Deutschland bei 0,86%. Was nach wenig klingt, kann bei den amerikanischen Anbietern noch getoppt werden.

Amerikanische Anbieter, die bereits seit über acht Jahren auf dem Markt agieren, sind um bis zu 144% preiswerter. Im Schnitt betragen die Robo-Advisor-Gebühr nur 0,25%. Nicht nur an den Gebühren ist erkenntlich, dass die smarten Finanzalgorithmen in Deutschland gerade erst an Fahrt aufnehmen und mit noch recht hohen Kosten die Rendite der Anleger schmälern.

So verwalten alle in Deutschland aktiven Robo-Advisor gerade einmal 400 Millionen Dollar, wohingegen die beiden amerikanischen Marktführer Betterment und Wealthfront alleine rund 10 Milliarden Dollar ihrer Anleger verwalten.

Die Kosten zur Kundengewinnung sind hoch. Gerade deutsche Kunden sind besonders skeptisch; sie müssen aufwändig überzeugt werden. Die Ursprungsidee, mit wenig Beratung und geringen Werbekosten ein möglichst niedriges Gebührenniveau zu schaffen, ist im deutschen Markt besonders schwer umsetzbar,

erklärt Per Ricken das Gebührenproblem in Deutschland.

Trotz der im Vergleich zu den USA (noch) hohen Gebühren, kann sich ein Robo-Advisor als Alternative gegenüber anderen Anlage-Formen für Kleinanleger durchaus lohnen.

So bringt Tagesgeld heute selten mehr als 1% ein – 0,5% und weniger sind eher die Regel, was gerade so die Inflation egalisiert und damit einen Werteverfall verhindert. Der Immobilienmarkt gilt schon lange als überhitzt und schafft mit 1,5% bis 2% Nettorendite bei Kleinanleger auch keinen grossen Wurf mehr.

Da Robo-Advisor ähnlich wie ETF-Sparpläne funktionieren, sind hier in Zukunft gute Renditen zu erwarten. So haben ETF-Sparpläne in den letzten 15 Jahren durchschnittlich 5,9% Rendite erwirtschaftet – und da hat noch kein Algorithmus überwachend drüber geschaut.

tagesgeld versus etf

 

Mit höherer Sichtbarkeit und Akzeptanz werden dann auch in Deutschland die Kosten für Robo-Advisor sinken. Da die Deutschen nur langsam technologischen Innovationen vertrauen, wird das ganz sicher noch ein paar Jahre dauern.

“Um die normalen ETF-Gebühren – pro Jahr meist zwischen 0,07 % für besonders gängige Indizes wie Dax oder S&P 500 und 0,5 % für exotischere Anlagen – kommen auch Robo-Advisor nicht herum. Um selbst etwas zu verdienen und das kostspielige Online-Marketing wieder einzufahren (Klickpreis bei Google-Werbung für das Stichwort “robo-advisor”: 3,57 € pro Klick), muss der Robo-Advisor noch eine eigene Gebühr aufschlagen”,

bewertet Niklas Vogt die hiesigen Marketingmassnahmen der Deutschen Robo-Advisor-Newcomer.

Ausblick und Entwicklung

 Die Maschine soll also zum Finanzexperten für den Anleger und dabei als gute und sinnvolle Alternative zum Fondsmanager angesehen werden. In den USA sind ETFs derzeit die schnellst wachsende Form der Vermögensverwaltung. Der weltweit grösste Vermögensverwalter BlackRock aus den USA hat bekanntgegeben, dass sein Gewinn im ersten Quartal 2017 dank grosser ETF-Nachfrage um 10% gegenüber dem Vorjahr gestiegen ist.

ETFs sind einfach zu verstehen und haben keine versteckten Kosten. So gibt es sogar Fonds, die keine Ordergebühren verlangen, was es für Kleinanleger besonders attraktiv macht, zu investieren.

Langfristig sollen Robo-Advisor wie Seismografen jegliche Regungen der Märkte und Anleger aufnehmen und entsprechend die Portfolios ausrichten. So scannt BlackRock schon heute Internetseiten, Nachrichten, Soziale Netzwerke, Dokumente sowie Satellitenbilder. Die künstliche Intelligenz zieht daraus Rückschlüsse auf Kurse der Märkte und kauft oder verkauft entsprechend Positionen, um die bestmögliche Rendite zu erzielen.

So hat die Royal Bank of Canada Anfang des Jahres bekannt gegeben, eine Kooperation mit BlackRocks hauseigenem Robo-Advisor einzugehen, um die menschlichen 1.900 Fondsmanager zu unterstützen. All das wird in Zukunft auch für Kleinanleger möglich sein.

Disclaimer: Dies ist ein Gastbeitrag von robo-advisor.de und spiegelt nicht die Meinung von Finanzprodukt.ch. Wir sind insbesondere nicht einer Meinung, dass man bspw. Tagesgeld nicht mit ETFs vergleichen sollte (da ungleiches Risiko-Profil)

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