Persönlicher Berater einer Bank oder unabhängiger Vermögensberater?

Es gibt viele verschiedene Möglichkeiten, alles rund um die Finanzgeschäfte in seinem Leben zu organisieren. Grundsätzlich unterscheidet der Verbraucher unter folgenden Optionen:

  1. Der Selbstentscheider: Der Anleger braucht keinen Berater oder eine neutrale Meinung. Er bildet sich ausschließlich selbst ein Urteil darüber, welche Produkte er abschließt und welche nicht, wenn es um Sachen Finanzen geht. Dabei schließt er all seine Geschäfte online ab und vergleicht selbst, welche Anlageform für ihn auf den ersten Blick die beste ist.

  2. Der Vertraute der Unabhängigkeit: Der Kunde lässt sich von einem unabhängigen Vermögensberater über die Möglichkeiten beraten, welche Versicherung und welche Bank die besten Produkte anbietet. Mit welchem Slogan werben unabhängige Finanzberater? Sprüche wie: „Wir fokussieren uns nicht auf eine Bank, sondern picken überall die besten Angebote für Sie heraus“ oder ähnliche Floskeln sollen den Kunden in den Bann des Vermögensberaters ziehen.

  3. Der solide Anleger, der sich von der Bank beraten lässt: Der Verbraucher geht zu seiner Bank oder Sparkasse und schließt bei diesem Partner seine kompletten Finanzgeschäfte ab. Dabei vergleicht er ab und an Angebote, die er dann mit seiner Bank bespricht. Letztendlich ist die Hausbank jedoch der Partner des Vertrauens für den Anleger.

In diesem kleinen Guide stellen wir nun die Vor- und Nachteile von diesen drei Optionen dar. Ausserdem sollten Sie sich selbst Ihre neutrale Meinung dazu bilden, welche Lösung genau zu Ihnen und Ihren Bedürfnissen hervorragend passt und auf Sie abgestimmt ist. Neugierig?

  1. Alles Online – das Internet eröffnet viele Möglichkeiten: Der Selbstentscheider

Gehören Sie zu den Kunden, die alles selbst am besten entscheiden können, was in Sachen Finanzen relevant ist? Dann sind Sie genau der Verbraucher, der sich sehr viele Informationen selbst im Internet einholt und gerne vor dem Laptop sitzt. Sie möchten es keinesfalls einer anderen Person überlassen, welche Geschäfte zu Ihnen passen, bei welcher Bank es die günstigsten Zinsen gibt und welche Altersvorsorge auf Sie abgestimmt ist.

Sie vergleichen selbst, lesen Testseiten und verlassen sich selbst auf Ihre eigene Meinung und Ihr Gefühl. Welches Produkt Sie online abschliessen, selektieren Sie je nach Preis, Namen des Finanzinstitutes oder Angebot mit Bonus. Diese Entscheidungsweise hat ihre Vor- aber auch ihre Nachteile, die wir wie folgt darstellen:

Vorteile des Selbstentscheiders:

Diese Art von Anleger fühlt sich gut informiert und beschäftigt sich meist intensiv mit dem Finanz-Thema, bei dem es gilt, Entscheidungen zu treffen. Der Selbstentscheider ist belesen, informiert und steht meist voll und ganz hinter seinen Abschlüssen, da er sich von keinem anderen Berater beeinflussen lässt. Er spart Geld und oftmals Provisionen in Form von Beratungshonoraren. Schließlich berät er sich selbst. Dieser Verbraucher versteht meist selbst viel von den Geschäften die abgeschlossen werden, zumindest glaubt er das. Fakt ist, dass alle Internet-Angebote oft deutlich preisgünstiger sind, als in Sachen Finanzen Beratungsleistungen in Anspruch zu nehmen.

Nachteile des Selbstentscheiders:

Der Anleger, der keine Rat einholt und alle Entscheidungen mit sich selbst vereinbaren will, investiert viel Zeit in seine Recherchen. Im Anschluss hat er sich keine andere Meinung eingeholt oder darüber diskutiert, was vielleicht eine bessere Anlagealternative wäre. Dadurch ist gilt dieser Anleger oft als verbohrt und zu sehr besessen von seiner eigenen Meinung. Ausserdem stellt es sich erst im Nachgang heraus, ob der Selbstentscheider tatsächlich die beste Anlage-Entscheidung getroffen hat. Schliesslich hat das Berufsbild des Bankers auch einen Sinn, oder?

Übrigens: Wer mehr in Sachen Kreditkarte erfahren möchte auf dieser Ratgeberseite findet man alle wichtigen Infos dazu.

  1. Der Typ für den Vermögensberater – er fühlt sich frei und unabhängig

Diese Art von Mensch ist sich selbst nicht ganz sicher, welche Anlagen er benötigt und welche nicht. Es fühlt sich doch gut an, sich nicht von einer einzigen Bank oder einem Finanzdienstleister abhängig zu machen, oder? Genau deshalb geht dieser Verbraucher gern zu einem unabhängig erscheinenden Vermögensberater. Hierbei gilt es doch, sich ehrlich die Frage zu beantworten: Wie unabhängig ist dieser Vermögensberater wirklich?

Kassiert der freie Finanzvermittler nicht gar Provisionen von Banken, Versicherungen und Sparkassen, weil er genau ihre Produkte vermittelt? Letztendlich sollte man sich die Frage beantworten, wovon der Vermögensberater wirklich lebt. Er kassiert Vermittlungsgebühren von Finanzdienstleistern und letztendlich auch Beratungshonorar von Ihnen, wenn es zum Abschluss kommt. Beim freien Vermögensberater sollte man also stets mit dem spitzen Bleistift vergleichen, was genau an Gebühren für ihn übrig bleibt und welcher Anteil der Provisionen an Ihnen selbst hängen bleibt.

Vorteile des Anlegers, der den Vermögensberater wählt:

Diese Unabhängigkeit scheint frei zu machen. Frei von einem speziellen Finanzinstitut und einer Bank, die nur die eigenen Produkte verkaufen will. Der Anleger denkt, er wähle mit Sicherheit das für ihn günstigste Produkt. Ausserdem kann man sich im Tarifdschungel verschiedener Produkte und Anlageformen eine unabhängige Meinung eines Experten einholen. Wie heisst es so schön? Vergleich macht reich. Das spart Geld.

Nachteile des Unabhängigen, der einem Vermögensberater vertraut:

Die Nachteile liegen auf der Hand – der Vermögensberater verkauft Ihnen die Produkte, womit er am meisten verdient. Dieser Berater ist meist darauf angewiesen, Geschäfte von Banken, Versicherungen und Finanzdienstleistern zu verkaufen. Umso mehr muss er vor allem auf eines seinen Fokus legen: Seinen eigenen Verdienst. Wozu mag diese Tatsache führen? Ganz einfach: Anleger, die dem Vermögensberater ihr Vertrauen schenken, schliessen nicht das Geschäft ab, womit sie selbst am besten bedient sind, sondern diese, mit denen der Vermögensberater am meisten Provisionen kassiert. Vergleich macht reich? Ja – vor allem den Vermögensberater selbst!

  1. Der solide Verbraucher, der zur Bank geht und sich dort beraten lässt

Dieses Modell kennen wir alle seit vielen, vielen Jahren. Der Anleger und Kunde wählt sich ein Finanzinstitut, hat meist vor Ort einen persönlichen Berater. Wenn er Fragen hat, geht er zu seiner Bankfiliale und holt sich dort Rat ein. Meist wirbt die Bank mit einer Vermögensoptimierung, die auf den Kunden zugeschnitten ist. Somit fühlt sich jeder Kunde einer Bank oder Sparkasse bedarfsgerecht beraten. Oftmals kostet dieser Service der Filialbank nichts – ausser Kontoführungsgebühren oder andere versteckte Honorare, die sich unter anderem in Form von sehr schlechten Zinsen für die Kunden bemerkbar machen.

Meist hat dieser solide Kunde Vertrauen zu seinem Berater, er kann vor Ort klären, was Sache ist. Zudem geniesst meist die Bank, bei der der Verbraucher sein „solides Konto“ unterhält, einen guten Ruf und agiert schon langjährig am Markt. Dem Kunden, der sich auf den Rat seiner Bank verlässt, sind meist nicht nur die Gebühren und Preise wichtig, sondern vor allem ein persönlicher Ansprechpartner vor Ort.

Vorteile des Verbrauchers, der dem Rat des Bankberaters folgt:

Dieser Anleger beschäftigt sich meist mit wirklich angenehmeren Dingen im Leben als den Finanzanlagen. Er weiss es zu schätzen, dass die Sparkassen- oder Bankfiliale in seiner Nähe ist und er einen persönlichen Ansprechpartner vor Ort hat. Dieser Verbraucher weiß, dass auf Dauer Service und guter Kundenkontakt mehr zählen als nur nackte Ersparnisse in Form von Gebühren.

Nachteile des Kunden, der nahezu ausschliesslich seiner Bank vertraut:

Dieser Verbraucher wird nicht immer die günstigsten und besten Produkte ausschöpfen, die der Markt bietet. Diese Kunden sind oft grundsätzlich schlecht und sehr einseitig informiert. Keine Überraschung also, dass der Anleger, der permanent blind seiner Bank vertraut, nicht immer zu Schnäppchenpreisen seine Geschäfte abschliesst.

Welche Bank für welche Art von Geschäft?

Natürlich sind hier nur drei grobe Raster dargestellt. Es gilt auch bei dieser Vorstellung: Es gibt kein schwarz oder weiss! Vielmehr bieten sich alle Arten von Bankgeschäfte an, die man durchaus auch einmal über einen anderen Vertriebsweg ansteuern kann. Was spricht dagegen, wenn man das Girokonto bei einer Filialbank auswählt, sich dennoch über diverse Depotstrukturen selbst im Internet schlau macht und daneben noch einen Vermögensberater um Rat fragt?

Natürlich sollte man hierbei stets beachten, sich selbst nicht zu verzetteln. Fakt ist: Es gibt bei Bankberatern gute und solide Mitarbeiter, wie auch unangenehme Gesellen, die dem Kunden Verträge aufschwatzen. Ähnlich sieht es bei Vermögensberatern aus: Man kann auch bei diesen Menschen nicht alle über einen Kamm scheren.

Tipp: Allerdings sollten Sie unbedingt hohe Vorsicht walten lassen, wenn sich Bekannte, Verwandte und Freunde als Vermögens- und Anlageberater selbständig machen. Hier fühlen sich Menschen nicht selten dazu verpflichtet, das ein oder andere Geschäft aus „Solidarität und guten Glauben heraus“ abzuschliessen.

Fakt ist jedoch: Beim Thema Geld hört die Freundschaft auf. Wer einem Bekannten blind als „Finanzexperten“ traut, macht oftmals die Erfahrung, dass ein Quereinsteiger den Job nur wenige Monate durchhält. Dann nämlich, wenn die Provisionen nicht mehr fliessen, gibt er freie Vermögensberater oft auf. Meist hört es dann mit den Provisions-Erträgen auf, wenn alle Bekannte und Freude mit Produkten versorgt sind.

Derartige Geschäfte bringen Ihnen gar nichts – ausser Ärger! Bitte überlegen Sie genau, wenn Sie einen freien Vermögensberater auswählen, wie lange dieser schon erfolgreich am Markt agiert.

Fazit

Sie sehen selbst: Es ist nicht immer sehr einfach, sich in Sachen Finanzen den richtigen Partner mit ins Boot zu holen. Wichtig ist, dass Sie vollkommen hinter Ihrer Entscheidung stehen und sich dennoch niemals zu schnell und ohne Vergleiche zum Abschluss für eine Produkt entscheiden.

 

Featured image credit: Freepik

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